05 März 2007 - 16:55
Canon XH A1

Heute ist mein Regenschutz für die Canon gekommen. Er ist von der Firma KATA und eigentlich für andere große Kameramodelle gedacht.

Ich finde er passt aber auch gut für die Canon XH A1, er ist relativ groß und die Hand passt auch noch unter dem Regenschutz um zum Beispiel an den Gainschalter zu kommen. Selbst der LCD Bildschirm hat aufgeklappt noch platz in der Schutzhülle.

Gut gefällt mir auch der Rundumblick des Kameraschutzes, so kann auch schnell ein Blick auf die XLR Toneingänge geworfen werden.

Auch von vorne dichtet der Regenschutz gut ab, nur die Mikrofontülle hängt etwas schlapp herunter, das wird sich bei einer Verwendung eines externen Stereomikrofons noch ändern.
Ich habe den Regenschutz noch mit einem Imprägnierspray ordentlich getränkt. Jetzt kann auch bei schlechtem Wetter mit der Canon draußen gedreht werden. Mit 119,- Euro (www.fotopartner.de) ist der Regenschutz nicht zu teuer, denn die Verarbeitung ist wirklich gut.
28 März 2007 18:21
Presets für die Canon XH A1

Inzwischen sind über 2 Wochen vergangen seit meinem letzten Eintrag in diesem Blog. Leider hatte ich mal wieder zu viel Arbeit und musste teilweise auch für einige Tage zu Dreharbeiten nach Dänemark. Bald ist die "Hannovermesse Industrie 2007" und die letzten Filme mussten jetzt für das DVD-Kopierwerk noch rechtzeitig fertig werden.
Mit meiner selbst gebastelten Farbvorlage bin ich nicht weiter gekommen, zwar stimmten die Farbwerte auf einem PC-Monitor optisch ganz gut, waren aber in der Praxis mit Naturbilder auf einen großen Flatmonitor nicht wirklich zu gebrauchen, die Farben wurden dort völlig ausgewaschen und teilweise übersteuert angezeigt. Das Farbmodell für HDV Video unterscheidet sich schon ein bisschen mehr vom üblichen RGB-Computerfarbmodell, wie ich leider feststellen musste. Deshalb ist es auch etwas gefährlich sich HDV Videos auf dem Computerbildschirm anzuschauen und dabei etwas genaues über die Farben und Bildkontrast zu sagen. Zwar gibt es Softwareplayer die versuchen den Farbraum beim Abspielen automatisch richtig umzuwandeln, was aber nur teilweise einwandfrei gelingt.
Deshalb bin ich jetzt den sicheren Weg gegangen und mir eine sehr teure und damit auch genaue Farbnormkarte gekauft. Mit diesem Farbchart von DSC Labs und einem Vectorscop ist es kein großes Problem die Farben richtig zu justieren. Soweit die Theorie. In der Praxis habe ich wieder mal einige Fallen kennengelernt: die richtige Beleuchtung!
Dieser Farbchart ist für einen Einsatz vor Ort gedacht, dass bedeutet, es soll vor dem eigentlichen Drehbeginn kurz die Tafel formatfüllend abgefilmt werden. Das hat den Vorteil, das die Beleuchtungsituation vor Ort auch diesen Farbchart beeinflusst. Später beim Schneiden des Videomaterials kann ich diesen abgefilmten Farbchart so Farbkorrigieren, das er wieder im Vectorscop stimmt. Damit sind dann auch automatisch alle nachfolgenden Szenen in dieser Beleuchtungssituation richtig farbkorrigiert. Das ist sehr wichtig bei Filmen auf die eine realistische Farbgebung nicht verzichtet werden kann z. B. bei Modenschauen oder Aufnahmen in einer Bildergalerie.
Ich möchte aber etwas anderes, ich möchte eine Kamera Farbkorrigieren und nicht eine Filmszene. Jetzt kommt es darauf an, WIE ich den Farbchart beleuchte. Also nahm ich meinen Tageslichtscheinwerfer und stellte darauf die Farben ein. Das Farbergebnis war schon besser aber nicht so richtig gut. Es stellte sich heraus, das dieser Tageslichtscheinwerfer auf Neonröhrenbasis zwar Tageslicht produziert mit einer Farbtemperatur von 6000 K, aber die Zusammensetzung der einzelnen Spektralfarben des Scheinwerfers dabei nicht besonders ausgewogen ist und für diesen präzisen Farbchart viel zu ungenau das Licht produziert. Ein weiterer 800W Arri Scheinwerfer mit einer Tageslichtfilterscheibe davor produzierte wieder ein anderes Farbspektrum, das auch nicht besonders genau für eine gute Farbeinstellung war.
Meine Lösung: die Mittagssonne!
Für einen Laien ist der Begriff Farbtemperatur ein sehr merkwürdiger Fachausdruck. Diese Temperatur wird nicht in Grad angeben sondern in Kelvin. Die Maßeinheit Kelvin fängt beim absoluten Nullpunkt an, das sind -273 Grad, bei dieser Temperatur stehen alle Atome still und eine tiefere Temperatur kann es deshalb auch nicht geben. Soviel zur Maßeinheit Kelvin, was hat aber eine Temperatur mit Farben oder sogar Licht zu tun?
Als Farbtemperatur bezeichnet man die Temperatur, die ein schwarzer Körper haben müsste, damit dessen Licht denselben Farbeindruck erweckt wie die tatsächlich vorhandene Beleuchtung. Wow.
Wer jetzt wissen möchte, was ein schwarzer Körper ist, sollte danach googeln, denn dann geraten wir endgültig weg von unserer Kamera Justierung. Wir merken uns nur, dass die Farbtemperatur unsere tägliche Lichtsituation beschreibt:
Kerze = 1.500 Kelvin
Glühbirne 100W = 2.800 Kelvin
Halogenlampe = 3.200 Kelvin
Abendsonne = 3.600 Kelvin
Mittagssonne = 5.500 - 5.800 Kelvin
Blitzlicht = 6.000 Kelvin
Nebel = 8.000 Kelvin
Blauer Himmel = 9.000 - 25.000 Kelvin
Früher war der Kelvinwert noch wichtiger, denn der chemische Farbfilm war nur immer auf eine Farbtemperatur geeicht, so gibt es z. B. Tageslichtfilme (5.500 Kelvin) und Kunstlichtfilme (3.200 Kelvin).
Unsere elektronischen Kameras dagegen haben einen Lichtsensor im oder am Objektiv und messen beim Einschalten der Kamera den Kelvinwert und korrigieren automatisch elektronisch mit dem "Weißabgleich" die unterschiedlichen Lichtsituationen. Einfacher beschrieben, es wird immer beim Einschalten der Kamera ein helles Motiv gesucht und dieses Motiv auf Neutralweiß gesetzt. Das funktioniert oft auch ganz gut, aber bei einem Sonnenuntergang möchte man die gelbliche Stimmung auf Video bekommen, die Kamera korrigiert jetzt aber automatisch diesen Sonnenuntergang auf Neutralweiß und die Lichtstimmung ist weg, das Problem muss dann im manuellen Weißabgleich geändert werden (Farbtemperatur hochstellen auf Tageslicht).
Für meine Farbabstimmung mit dem Chart ist deshalb der Kelvinwert des Lichtes nicht ganz so kritisch, aber die Lichtzusammensetzung. Es sollten alle Grundfarben gleichmäßig stark strahlen, was sie aber anscheinend bei meinen Scheinwerfern nicht machen. Deshalb bin ich heute bei bestem Sonnenschein mit dem Farbchart, Vectorscope und der Canon XH A1 in den Garten gegangen. Auf dem Gartentisch baute ich mir meinen kleinen Messplatz auf.
Zuvor noch ein paar Worte zum Vectorscope. Die Funktion eines Vectorscope kann man als Analysewerkzeug für Chrominanzen, also für Farbton und Sättigung verstehen. Auf dem Bildschirm des Vectorscope werden die Farben Rot, Magenta, Blau, Cyan, Grün und Gelb dargestellt. In der Kreismitte des Vectorscope liegt der Weißpunkt und genau genommen auch alles unbunte (Grau). Jede einzelne Farbe im Videobild ergibt auf dem Vectorscope einen Leuchtpunkt und zwar je weiter vom Mittelpunkt entfernt, desto größer ist die Sättigung der entsprechenden Farbe. Bei einem sehr bunten Videobild gibt es deshalb auf dem Vectorscope auch eine große Punktwolke und ist damit ein ideales Hilfsmittel Farben zu messen und zu analysieren. Eine Farbe lässt sich durch Angabe zweier Werte (Gradzahl am Vektorskope) und Farbsättigung (Abstand vom Mittelpunkt der Skala) definieren.

Oben ein roter Farbverlauf von Rot nach Weiss, die Anzeige des Vectorscope zeigt diesen Verlauf auch an, die grüne Punktwolke des Vectorscope geht vom Mittelpunkt (unbunt = weiß) zum roten Kästchen. Ein nur rotes Bild würde auch nur einen einzelnen grünen Punkt auf der Farbachse Rot abbilden.
Alle 6 Videogrundfarben sind bei einem Vectorscope in das Frontglas eingraviert, diese 6 Grundfarben finden wir auch auf dem Farbchart wieder: Gelb, Rot, Magenta, Grün, Cyan und Blau. Links und rechts davon sind 4 verschiedene Hauttöne abgebildet und interessieren uns erstmal nicht weiter. Sehr schön sind auch bei diesem Testchart die Graustufentreppen, dort können wir sofort einen Farbstich erkennen, der Grauverlauf sollte farblich völlig neutral sein.
Noch ein Beispiel eines echten Videobildes und dem dazugehörigen Vectorscopebildes, das rote Kleid der Dame ist leicht auf dem Vectorscope auszumachen, siehe gelber Pfeil.
Hier der Beweis, diesmal ist das rote Kleid mit einer schwarzen Bildmaske abgedeckt und auch sofort beim Vectorscope wird die Farbe Rot nicht mehr ausgeprägt angezeigt.
Zusammengefasst merken wir uns, mit einem Vectorscope kann schnell überprüft werden ob die Farben in den technischen Grenzen sind und ob der Weißpunkt in der Mitte der Achsen liegt.
Nun zur Canon XH A1. Wir schließen als Erstes die Kamera per Compositekabel an das Vectorscope an. Doch halt! Erstes Problem, wir nehmen digital auf Kassette auf, das heißt nur 1 und 0. Wer sagt uns denn, das beim Wandeln der digitalen 1+0 Signale in einen analogen Compositesignal nicht schon diverse Farbfehler auftreten?
Ganz einfach, die Canon XH A1 besitzt einen eingebauten digitalen Farbgenerator, der genau dieselben elektronischen Komponenten durchlaufen muss wie die Daten vom Bildchip. Stimmt der Farbbalken, stimmen auch die HDV Signale.

So, der Farbbalken wird von der Canon generiert und........

.....tatsächlich liegen alle 6 Testbildfarben absolut genau im Normkästchen des Vectorscope. Prima, unser Testaufbau ist nun kalibriert, richten wir nun die Kamera in Werkseinstellung auf den Farbchart.

Hier stimmt nun einiges nicht, weder die Farbwinkel von Grün, Blau, Cyan noch die Sättigung aller Farben sind ausreichend.
Inzwischen habe ich so viel mit den Justiermöglichkeiten der XH A1 gespielt, jetzt geht der Farbabgleich doch relativ schnell von der Hand, nach ca. 15 Minuten ist die Canon bestmöglichst farblich justiert, auch ohne das teure Canon Console Programm.

Nach der Justierung sieht es schon besser aus, alle Farbwinkel der Canon XH A1 stimmen sehr gut und auch die Sättigung ist stark verbessert. Nur die Farbe Cyan schwächelt ein wenig und berührt nicht das enge Normkästchen des Vectorscope. Aber keine Sorge, der Farbwinkel stimmt gut und die Sättigung erreicht zumindest das nächstmögliche Cy Toleranzfeld und ist damit auf jeden Fall noch tragbar.
Wie sieht es nun in der Praxis aus?

Ganz oben ein Bild von einem digitalen Fotoapparat, darunter die neu abgestimmte Canon und unten im Bild die Sony FX1 in der Werksabstimmung. Das Bild des Fotoapparates ist nicht so ohne Weiteres mit den HDV Aufnahmen zu vergleichen, das sind zwei verschiedene Farbräume. Auf einem großen 42 Zoll Flatscreen hat die Canon jetzt wesentlich mehr Farbnuancen bekommen und bildet diese sehr sicher ab. Die Aufnahmen der FX1 sind farblich stumpfer, was man aber auch bei der Sony FX1 justieren kann.

Frohe Ostern!
Statt Eier zu suchen, habe ich die letzten Einstellungen für die Canon XH A1 gesucht und anscheinend auch gefunden. Auch vielen Dank für die Email von einem Sendetechniker, der mich auf einige Zusammenhänge mit all den Farbkurven und Farbcharts hingewiesen hat, man lernt nie aus. Tatsächlich ist jetzt die Canon auch bei unterschiedlichem Sonnenlicht (Früh, mittags, abends) sehr farbneutral und das Vectorscope zeigt nur sehr geringe Abweichungen an, ein Lob für den guten automatischen Weißabgleich der Kamera. Dieser regelt das unterschiedliche Sonnenlicht immer ein wenig nach, sodass keine Farbschwankungen entstehen.
Am Donnerstag kam dann auch noch mein neuer FullHD Schnittmonitor und ich konnte gleich die drei Presets bei voller HDTV Auflösung noch weiter optimieren.

Der linke große 40 Zoll Monitor ist der Sony KDL 40W2000 und ist ab sofort mein Schnittmonitor. Er besitzt eine gute Schwarzdarstellung und erfüllt mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten auch eine gute HDV Stream Überwachung. Inzwischen bin ich erstaunt was man alles so im HDV Film an kleinen Fehlern entdecken kann, der Sony Bildschirm ist da gnadenlos.
Zurück zu den XH A1 Presets. Ein Blogleser hatte sich beschwert, dass ich eine optimierte Canon mit der FX1 in Werkseinstellung vergleiche und das wäre gegenüber der Sony ungerecht, man könnte diese auch optimieren. Ja, das stimmt und ich habe deshalb hier auch die alten Vergleiche herausgenommen und werde diese jetzt gegen neue ersetzen. Die FX1 bietet leider nicht so einen großen Umfang der Kameraeinstellungen wie die der Canon, aber mit Vectorscope und Farbchart kann tatsächlich einiges noch an Qualität aus dieser Kamera herausgeholt werden (Farbphase -5, Farbsättigung +5 bis +6).
Hier nun die FX1 mit eigenen optimierten Preset und +18dB Gainverstärkung als Referenzbild:
Sony FX1 +18dB [JPG 1920x1080 162KB]
Canon XH A1 Preset -3dB [JPG 1920x1080 200KB]
Bei einer Gainverstärkung von -3dB ist die Canon wie erwartet dunkler aber auf keinen Fall schlecht im Bild, die Farben stimmen auch bei Kunstlicht. Dieser Preset wird von mir zu 99% der Aufnahmen benutzt, bis zum Sonnenuntergang. Schauen wir uns den nächsten Preset +6dB an:
Canon XH A1 Preset +6dB [JPG 1920x1080 284KB]
Dieser Preset entspricht in der Bildhelligkeit ungefähr dem der Sony FX1. Nur ist das Bild durch den automatischen Weißabgleich besser neutral eingestellt und wesentlich schärfer. Ab diesen positiven Gainwerten habe ich auch die internen Rauschfilter aktiviert, vorsicht - diese können Nachzieheffekte im Bild verursachen!!! Dieser Preset kann auch für eine Kameraeinstellung mit +12dB benutzt werden, dann stört aber das Bildgrieseln ein wenig den Bildgenuss, deshalb hier der möglichst Bildrauschfreie Preset +12dB:
Canon XH A1 Preset +12dB [JPG 1920x1080 268KB]
Leider gelingt diese hohe Gainverstärkung nur rauschfrei, wenn ein sehr starker Rauschfilter in der Canon aktiviert wird, die Kamera zieht nun Bildteile her, wie man es von alten Röhrenkameras her kennt. Dieser Rauschfilter geht aber auf Kosten der Bildschärfe und ist nur ein Kompromiss. Wie schon beschrieben, kann aber auch der Preset +6dB für diese 12dB Gainverstärkung benutzt werden.
Mit diesen drei Presets sollte die Canon auf Anhieb gute Bilder fabrizieren, wenn man folgendes noch beachtet:

Der AGC Schalter sollte auf "OFF" stehen und AWB unbedingt auf "ON". Der grösste Fehler ist AGC auf ON, dann werden meist alle Aufnahmen schnell unerträglich rauschig.

Unter dem eingeklappten LCD Monitor sollte der Weißabgleich auf "K" stehen. Wenn das alles einmal eingestellt ist und dann meine Presets benutzt werden, ist ein Filmen mit der Canon nicht mehr kompliziert und führt ganz schnell zu guten Bildern.

Hierl alle drei Presets als Datenfoto:
FX1 +18 dB Gain [JPG 526 KB]
Jetzt ein Vergleich meiner Presets mit der Sony FX1 in voller Lichtempfindlichkeit, in diesem Test war nur die Kerze die einzigste Lichtquelle.
Canon XH A1 Preset 1, -3 dB Gain [JPG 480 KB]
Ich bin selber überrascht wie gut schon die Lichtempfindlichkeit der Canon ohne eine Gainverstärkung ist.
Canon XH A1 Preset 2, +6 dB Gain [JPG 661 KB]
Wie schon beschrieben, ist dieser Preset in der Lichtempfindlichkeit einer FX1 gleichzusetzen bei genauso wenig Bildrauschen. Wenn man in den Schattenbereichen schaut, stellt man fest, dass hier sogar schon leicht die FX1 in der Bildhelligkeit überflügelt wird.
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