[Text aus dem alten HDV Blog]
09 Dezember 2006 - 09:51
Canon XH A1

Heute stehen ein paar erste Tests mit der neuen HDV von Canon an. Diese Kamera besitzt eine Vielzahl von Aufnahmeparametern, die alle von mir ausprobiert werden müssen:

Gammakurve (Normal, Cine1, Cine2)

Knee (Auto, High, Middle, Low)

Schwarzdehnung (Stretch, Middle, Press)

Pedestal (+9 bis -9)

Setup Level (+9 bis -9)

Schärfe (+9 bis -9)

horizontale Detailfrequenz (High, Middle, Low)

horizontale/vertikale Detailbalance (+9 bis -9)

Coringlevel (+9 bis -9)

Rauschreduzierung NR1 + NR2 (Off, High, Middle, Low)

Farbmatrix (Normal, Cine1, Cine2)

Farbverstärkung (+50 bis -50)

Farbphase (+50 bis -50)

Rotpegel, Grünpegel, Blaupegel (jeweils +50 bis -50)

R-G Matrix (+50 bis -50)

R-B Matrix (+50 bis -50)

C-R Matrix (+50 bis -50)

G-B matrix (+50 bis -50)

B-R Matrix (+50 bis -50)

B-G Matrix (+50 bis -50)

Alle Einstellwerte können auf die Speicherkarte abgespeichert werden und so auf weitere Canon HDV Kameras (ausser H1) übertragen werden!
Hier nun ein paar erste Bilder, mit der XH A1 und FX7 in der Fotofunktion auf Speicherchip geschossen. Die XH A1 Bilder habe ich in Photoshop von 1920 auf 1440 Pixel verkleinert.

FX7 [1440X810]

XH A1 [1440X810]

FX7 [1440X810]

XH A1 [1440X810]

Wie man unschwer erkennen kann, ist die XH A1 im Auslieferungszustand schlecht eingestellt, die Belichtung ist zu hell und die Farben könnten auch ein bisschen abgestimmt werden. Das bedeutet jetzt für mich wirklich ein großes Stück Arbeit....

Seit Stunden bastle ich an eigenen Kameraeinstellungen der A1. Oben sieht man die Canonsoftware "Console 1.1", damit lassen sich sehr bequem alle Parameter der Kamera komplett verändern, ganz nach eigenen Geschmack. Von solchen Einstellungen habe ich bis jetzt geträumt, vom Filmlook der verschiedene Filmmaterials simuliert bis zum sehr harten Videostyle lässt sich die Kamera umprogrammieren. Auch ob in 50i oder doch lieber in 25f aufgezeichnet werden soll. Ich verstehe gar nicht die diversen Diskussionen, dass die Canon einen Rotstich hätte, ich kann sehr leicht auch einen Grün oder Blau oder Gelbstich damit programmieren. Selbst das Verhalten im Gainbereich (bis +36dB!!) lässt sich damit sehr verbessern (Bildrauschen) und auf FX1 Niveau bringen, dazu müssen einige verschiedene Rauschfilter aktiviert werden. Ohne Rauschfilter fängt die A1 ab +6dB im Bild fürchterlich an zu rauschen. Überhaupt ist das die erste HDV Kamera die im Bild extrem verstellt werden kann..... leider auch zum Negativen, wenn man nicht aufpasst. Bei den Sonykameras liegen diese Einstellungen zum Teil in der Firmware und lassen sich nicht ohne einen Werkstattbesuch einstellen.

Zum Umfangreichen justieren, wird ein Rechner über Firewire an die A1 angeschlossen, nun die Kamera auf Stellung "Ext. Cont." eingeschaltet und..... nichts passiert! Im Kameramenü muss erst die Firewirebuchse freigeschaltet werden! Dann nur noch die Console starten und los gehts. Ich habe die Kamera auf einem Stativ im Studio stehen und programmiere für verschiedene Bildstimmungen eigene Setups, die dann mit einem Namen versehen in der XH A1 auf dem Speicherchip abgespeichert werden. Mal sehen, was ich damit so zaubern kann.... Allerdings ist es nicht damit getan, ein wenig an ein paar Regler zu drehen, sondern man sollte dabei auch das Vectorscop und Waveform benutzen, sonst verschiebt sich das Kamerasetup leicht in nicht konforme Bereiche. Jetzt muss ich mich entscheiden, soll das Bild der A1 nach dem der FX7 oder doch lieber nach einer FX1 eingestellt werden? Oder doch lieber eine ganz eigene Bildeinstellung: Klar und scharf?

Inzwischen habe ich ein bisschen mit der Canon XH A1 in der Natur gefilmt und hatte beim Abspielen der Aufnahmen massive Probleme, von 40 Minuten Video auf der Kassette waren über 10 Minuten nur ein blauer Bildschirm mit einem stotternden Timecode. Ganze Szenen waren so völlig zerstört! Im Sucher der A1 waren beim Filmen keine Warnhinweise zu erkennen.
Das ist mir jetzt schon zweimal mit der Canon passiert..... absolut tödlich für Kundenaufträge! Jedes Mal war die Außentemperatur so um +3 Grad. Um eine Kälteempfindlichkeit auszuschließen, packte ich die Canon XH A1 bei -20 Grad in meinen Gefrierschrank. Nach einer halben Stunde war die A1 richtig schön durchgefroren, das Funktionsrad der A1 ging schon richtig schwer, aber auf der selben Kassette wo dieser Fehler auftauchte zeichnete diesmal die A1 einwandfrei auf. Gestern passierte es wieder, einige Szenen waren beim Abspielen völlig zerstückelt oder fehlten ganz! Ich gehe jetzt von einem Defekt dieser Kamera aus. Falls dieses Verhalten auch von anderen A1 Besitzer beobachtet wird, bitte bei mir melden, ich werde dann Canon darüber informieren.

Jetzt sind wir schon beim Thema, inzwischen haben zahlreiche A1 Besitzer mich kontaktiert und ihren Frust über diese Kamera ausgelassen, einige planen sogar einen Wechsel zu Sony HDV Kameras und fragen mich zu meiner Meinung dazu.
Ich werde hier keine Empfehlungen aussprechen, nicht das ich mich scheue einen Glaubenskrieg anzuzetteln, aber ich bin selber noch nicht in meiner Meinung festgelegt. Fassen wir das Wissen bis jetzt mal zusammen:

Zuerst muss festgestellt werden, die Canon XH A1 Kamera ist nicht auf Werkseinstellung zu betreiben, die Bilder sind dann farblos, ausgewaschen und stark rauschhaltig. Das bekommt man mit etwas Mühe und eigenen Presets in den Griff. Bei einer Sony FX1/7 schaltet man ein und bekommt zu 99% ein gutes Bild. Die A1 ist in der Bildschärfe einer FX1 weit überlegen und spielt in der FX7 Liga. Die A1 und die FX7 haben beide ein 20fach Objektiv, das der A1 ist aber wesentlich Weitwinkliger und in Innenräumen deshalb auch ohne weiteren Weitwinkelkonverter zu betreiben und macht so mehr Spaß. Die A1 ist bei der Ausstattung mit XLR, 48Volt Phantomspannung, Kameramenü einer FX7 einfach überlegen. Beim Filmen mit der A1 ist immer ein Auge auf die Bildschärfe zu werfen, eine Sony arbeitet dort ein gutes Stück exakter.

Was mich aber bei der A1 stört, ist die große chromatische Aberration! Diese scheint rötlich über das ganze Objektiv zu gehen und sind gegenüber Sony dramatisch. Das dieses Canon als einer Objektivfirma so ausliefert ist schon fast eine Frechheit. Gut, auch die FX7 ist da schon schlechter geworden und kommt an dem Objektiv einer FX1 nicht mehr ran. Es ist wohl der Tribut der heutzutage gezahlt werden muss (große technische Daten, dabei schlechte technische Ausführung), die perfekte HDV Kamera ist immer noch nicht erschienen.

Nun ein Beispiel, wie man Presets auf die SD Karte überspielt:

Der Wechseldatenträger L: ist bei mir mein Kartenlesegerät mit der einliegenden SD Speicherkarte. Um die Presets richtig zu installieren, machen wir folgendes:

1. Wir legen auf der Speicherkarte ein Verzeichniss mit dem Namen PRESET an. Das Wort PRESET genauso schreiben, in Grossbuchstaben!

2. Wir kopieren meine Downgeloadeten Presets in diesem Verzeichniss, siehe Bild oben.

3. Jetzt Speicherkarte in die A1 einlegen und die Kamera einschalten.

4. In das Kameramenü gehen und unter [BENUTZERDEF] die [CUSTOM EINSTELLUNG] wählen.

5. Aus der linken Spalte CARD -> CAMERA auswählen.

6. Dann aus der unteren Menüleiste [CP IMPORT] anwählen und einen neuen Preset auswählen.

7. [CP SELECT POSITION] speichert den neuen Preset auf dem ausgewählten Platz der Kamera eigenen internen Speicherbank.

8. Mit [EXECUTE] wird der Preset nun wirklich geladen und in der Kamera gespeichert. Das war alles..... oder wieder ab Schritt 6 einen zusätzlichen neuen Preset nachladen.

Sobald ich meine eigene A1 besitze, werde ich diese Presets weiterentwicklen und auch kostenpflichtig anbieten. Geplant sind einige Filmsimulationen und noch ein verbesserter Nightshot...aber das dauert noch ein wenig.

Ich habe mich nun endlich entschieden und eine Canon XH A1 gekauft. Die Entscheidung für die Canon fiel mir nicht leicht und reifte ein paar Wochen, aber ich sehe bis heute keine andere HDV Kamera in Sicht, die dieses gute Preis/Leistungsverhältnis bietet.

Eigentlich schwankte ich zwischen der Sony FX7 und dieser XH A1. Beide Kameras machen vorzügliche HDV Bilder (die Canon erst mit ein wenig Übung) und liegen Preislich nicht weit auseinander. Gegen die FX7 sprachen die fehlenden XLR Mikrofonbuchsen und das Objektiv. Nicht das das Canonobjektiv eine technische Meisterleistung ist, ich habe schon auf die massiven roten chromatischen Abberationen hingewiesen, aber es besitzt für meinen Geschmack einen großen Vorteil: Es liefert einen ausgeprägten Weitwinkelbereich! Die Sony FX7 hat auch ein 20fach Zoomobjektiv, ist aber durch den kleineren Bildchip wesentlich stärker im Telebereich ausgeprägt. Gerade für Büroszenen oder Aufnahmen in kleineren Räumen ist ein fehlendes Weitwinkel sehr ärgerlich, da zählt jeder Millimeter weniger an Brennweite.
Mit einem vorschraub Weitwinkelkonverter geht wieder etwas an Auflösung verloren und von zusätzlichen chromatischen Abberationen ganz zu schweigen. Außerdem kostet so ein HDV Weitwinkelkonverter mit 62mm FX7 Durchmesser ein kleines Vermögen und übersteigt dadurch schon den Preis einer XH A1. Der optische Weitwinkelbereich der Canon entspricht ungefähr dem der FX1 und ist für mich zu 99% ausreichend. Des weiteren bietet die Canon einfach mehr an serienmäßige Ausstattung und ein massives Metallgehäuse gibt es dazu auch noch. Ich denke, Sony muss seine Preispolitik kräftig überdenken, einfach eine FX7 in Vollausstattung (im Plastikgehäuse) unter dem Namen V1 zu bringen und dabei fast den Preis zu verdoppeln ist meiner Meinung nach total verfehlt.

Wie schon mehrmals beschrieben, sehe ich bei der XH A1 drei große Nachteile:

1. Chromatische Abberation [CA] im ganzen Bild (bei kontrastreichen Aufnahmen)
2. Das schlecht auflösende Suchersystem (LCD + Sucher)
3. Das Canon HDV Laufwerk.

Zu 1.
Dieser Punkt machte mir am meisten Sorgen, ich schaute mir mein gesamtes Bildmaterial an was ich mit der XH A1 bis jetzt gedreht hatte, die roten Farbschlieren in der Bildmitte betragen maximal 3 Pixel. Sie fallen unter anderem deshalb besonders stark auf, weil die Canon so unheimlich scharf in der Auflösung sein kann. Ein HDV Bild aus meiner FX1 sieht dazu einfach schlechter aufgelöst auf einem großen Bildschirm aus und trotz fast fehlendem CA bei der Fx1, gefallen mir die XH A1 Aufnahmen besser. So richtig störend war das CA bei ca. 10% meiner XH A1 Aufnahmen. Durch einen Zufall bekam ich etwas HDXDCAM Material der Sony F330 (über 20.000 Euro) zu Gesicht und dort ist das CA fast genauso stark ausgeprägt.
Anscheinend bin ich bei einer 3.000 Euro Kamera einfach zu kritisch. Klar, ich will die bestmöglichste Bildqualität die mit dem HDV System machbar ist, denn ein 50 Zoll HDTV Bildschirm auf einem Messestand ist gnadenlos und zeigt alle Bildschwächen auf!

Zu 2.
Warum ist der große LCD Bildschirm einer FX1 bis heute von anderen Kameras unerreicht? Selbst bei voller Sonneneinstrahlung macht dieser LCD der FX1 eine gute Figur. Ganz anders das LCD Display der Canon, hier verschieben sich nicht nur Helligkeit und Farben je nach Blickwinkel, es ist auch viel zu klein. Er ist nur eine LCD Notlösung! Hier muss ich unbedingt noch Nachrüsten und einige Bastelaktionen durchführen.

Zu 3.
Aus der Vergangenheit hört man, das Canon DV-Laufwerke sich recht zickig verhalten können, einen Vorgeschmack habe ich ja schon bei meinen Outdoor Test bekommen, damals waren einige Aufnahmen auf einen günstigen DV Band nichts geworden. Ich habe jetzt einige HDV Bänder von Panasonic gekauft [AY-DVM63AMQ] und hoffe damit diese Bildaussetzer zu umgehen.

Insgesamt hoffe ich aber mit der Canon wesentlich bessere Aufnahmen als mit der ungeliebten Sony FX1 machen zu können. Leider gibt es bei Canon zurzeit einige Lieferschwierigkeiten was das Zubehör angeht. Teilweise ist es noch nicht auf dem Markt oder kommt von der XL2/H1 und ist anscheinend ausverkauft.

Bis jetzt besitze ich als Zubehör für die Canon XH A1:

- zusätzliches Doppelladegerät CH-910, jetzt kann ich drei Akkus gleichzeitig laden [1 Ladegerät liegt der Canon serienmäßig bei].

- 2 zusätzliche große Nachbau Akkus Typ BP-970G mit 7200mAh [Firma Giseke 38,90 Euro/Stck.]

- Heliopan Polfilter SH-PMC, Protection SH-PMC, Grauverlaufsfilter 4fach

- mehrgliedriger Achromat Canon 500D [Close-up Lens]

- 1 GB SD Speicherchipkarte

- bestellt ist noch der Stativsatz TA-100, damit sitzt die Canon hoffentlich bombenfest auf mein Vintenstativ.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein richtiger Regenschutz. Es gibt zurzeit nur einen von der Firma Portabrace aber dieser scheint nicht richtig wasserdicht zu sein, der LCD Bildschirm wird nur kurz abgedeckt und besitzt keine dichte Scheibe. Ich hoffe die Firma Petrol wird einen Rainslicker für die XH A1 in ein paar Wochen auf dem Markt bringen und dieser ist dann genauso gut wie der der FX1.

Jetzt muss ich mich nur noch richtig in die Bedienung/Programmierung der XH A1 reinknien. Als Erstes werde ich die Presets weiterentwickeln, die LCD Auflösung verbessern und natürlich ein richtig gutes Stereomikrofon genau passend für die XH A1 entwickeln, ich bin selber darauf gespannt wie es hier im Blog weiter geht, hoffentlich nicht zu Canon lastig.

Sicherlich wird das eine oder andere Projekt etwas länger dauern, denn im Moment habe ich immer noch sehr gut mit Kundenaufträgen aus der Industrie zu tun, deshalb ist ein wenig Geduld angebracht!

In diesem Beispiel wird es deutlich, oben im Bild der LCD der Canon XH A1 beim genau senkrechten Blick. Darunter habe ich nur das LCD Display um ca. 30 Grad geneigt und es ist schon fast nichts mehr darauf zu erkennen. Schlimmer ist noch die massive Farbverschiebung dabei in die Farbe Gelb. So ein schlechtes LCD habe ich noch nie an einer Kamera vorgefunden.

Gerade ist der Stativadapter TA 100 angekommen. Dieses Zubehörteil hatte jetzt 6 Wochen Lieferzeit und kann auch an der H1 benutzt werden.

Die Grundplatte besitzt 2 Passstifte die genau in die XH A1 Bodenplatte leichtgängig passen und die Grundplatte dabei genau ausrichtet.

Mit 4 Schrauben wird diese Platte unter der Kamera fixiert.

Auf dem Stativvorsatz wird die Schwalbenschwanzführung, hier von meinen Vintenstativ, mit 2 grossen Schrauben montiert.

Der Stativvorsatz gleitet jetzt auf dem Vinten Stativkopf und kann durch die Schwalbenschwanzführung und einem Sicherungsbolzen nicht mehr herausrutschen.

etzt nur noch die Kamera auf dem Stativvorsatz einschnappen lassen und die XH A1 sitzt fest auf dem Stativ.

Bei Drehschluss nur noch am roten Sicherheitsverschluss ziehen und die Kamera ist sofort vom Stativkopf gelöst.

Die XH A1 kann dann in die Kameratasche eingepackt werden. Schneller und fester kann keine Kamera auf einem Stativ fixiert werden.

Technische Daten dazu:
Grundplatte 64x64x15 mm, Gewicht 60 Gr.
Stativvorsatz 80x205x27 mm, Gewicht 411 Gr.

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